Geschichte

Aus Liebe zum Sportwagen

Die Erfolgsgeschichte der heutigen Dr. Ing. h.c. F. Porsche AG, Stuttgart, ist ohne das Lebens- werk von Ferry Porsche nicht denkbar. Unter seiner Führung wurde aus dem Konstruktions- büro seines Vaters Ferdinand Porsche ein selbstständiger Automobilhersteller, der 1948 mit dem Typ 356 den ersten Sportwagen mit dem Namen Porsche vorstellte.

Mit dem Porsche 356 und später mit dem 911 realisierte Ferry Porsche unbeirrt seinen Traum vom “Fahren in seiner schönsten Form”. Mit zielsicherem Gespür legte er die Grundlagen für die bis heute gültigen Markenwerte von Porsche. Als Geschäftsführer und Aufsichtsratsvorsitzender prägte er das Unternehmen Porsche über fünf Jahrzehnte hinweg.
Vor allem aber ist es sein Verdienst als Visionär und Unternehmerpersönlichkeit, Porsche zu einem weltweit führenden Sportwagenhersteller entwickelt zu haben.

Als Professor Dr. Ing. h.c. Ferdinand Anton Ernst “Ferry” Porsche am 27. März 1998 verstarb, ging einer der letzten großen Auto-Männer. Seine Lebensleistung für das Automobil brachte ihm einen Platz in der “European Automotive Hall of Fame” ein; sein Name wird heute in einem Atemzug genannt mit Größen wie Gottlieb Daimler, Carl Benz, Henry Ford oder Enzo Ferrari.

Am 19. September 2009 wäre Ferry Porsche 100 Jahre alt geworden. Eine Kindheit unter Automobilen

Als Sohn des Automobilkonstrukteurs Ferdinand Porsche und seiner Frau Aloisia wurde Ferry Porsche am 19. September 1909 in Wiener Neustadt, Österreich, geboren. Dass das Auto- mobil sein Leben prägen sollte, ließ sich bereits am Tag seiner Geburt erahnen: Als er das Licht der Welt erblickte, saß sein Vater Ferdinand gerade am Steuer eines von ihm konstruierten Austro-Daimler-Rennwagens und erzielte einen Klassensieg beim Semmering-Bergrennen. Getauft wurde der Porsche-Stammhalter auf den Namen Ferdinand Anton Ernst, doch seinen lebenslangen Rufnamen erhielt er von seinem Kindermädchen: Sie nannte ihn als Erste “Ferry”.

Zusammen mit seiner fünf Jahre älteren Schwester Louise wuchs Ferry Porsche in einem behüteten Elternhaus auf, in dem das Thema Automobil den Lebensmittelpunkt bildete. Als Chefkonstrukteur der österreichischen Austro-Daimler-Werke arbeitete der Vater Ferdinand Porsche ununterbrochen an neuen Ideen und Konstruktionen. “Fest davon überzeugt, in einem Auto auf die Welt gekommen zu sein, konnte ich meinem Vater stundenlang zuhören, wie er über Automobile und Rennen sprach und aufregende Geschichten darüber erzählte,” erinnerte sich Ferry Porsche später. Die Welt der Maschinen beigeisterte ihn und so wurde das benachbarte Austro-Daimler-Werk zum bevorzugten Aufenthaltsort des Jungen.

Als der zehnjährige Ferry Porsche seine ersten Fahrversuche auf dem Schoß des Vaters ab-solvieren durfte, reifte in ihm der Wunsch nach einem eigenen Fahrzeug. Doch was für die meisten Gleichaltrigen nur ein Traum war, wurde für den Sohn des schon damals bekannten Automobilkonstrukteurs an Weihnachten 1919 zur Realität. In der Lehrlingsabteilung ließ der Vater einen kleinen Zweisitzer montieren, der von einem luftgekühlten 6-PS-Zweizylindermotor angetrieben, stolze 60 Stundenkilometer erreichte. Mit diesem “Ziegenbockwagen”, so der familieninterne Spitzname des Gefährts, unternahm Ferry Porsche auf eigene Faust ausgiebige Fahrten auf öffentlichen Straßen.

Zwar hatte das Wägelchen kein Kennzeichen und der Fahrer erst recht keinen Führerschein, doch “aufgrund der Stellung meines Vaters pflegten die Polizisten in Wiener Neustadt beide Augen zuzudrücken”, wie Ferry Porsche später bekannte. Ein Höhepunkt dieser frühen Jugendjahre waren die Fahrten im Austro-Daimler-Rennwagen “Sascha”, den er 1922 in Wiener Neustadt auf der Werks-Einfahrbahn steuern durfte. Von diesem 45 PS starken und bis zu 144 Kilometer schnellen Targa-Florio-Siegerwagen war der Zwölfjährige so begeistert, dass er sich fest vornahm, sich bald seinen eigenen Rennboliden zu bauen. Doch dazu sollte es nicht kommen, denn im März 1923 verließ Ferdinand Porsche Austro-Daimler und wechselte als Technischer Direktor und Vorstandsmitglied zur Daimler- Motoren-Gesellschaft nach Stuttgart-Untertürkheim.



Jugendportrait von Ferry Porsche

Jugendzeit in Stuttgart

Auch für Ferdinand Porsche junior begann in Stuttgart ein neuer Lebensabschnitt. Auf der Gottlieb-Daimler-Realschule in Cannstatt musste er sich neue Freunde suchen – manchen sollte er ein Leben lang verbunden bleiben. Zu seinen engsten Gefährten aus dieser Zeit zählte Albert Prinzing, der spätere Professor und Porsche-Geschäftsführer, der anlässlich von Ferry Porsches 75. Geburtstag die erste Begegnung so beschrieb: “Da kam ein junger Österreicher mit langem Haar in eine Schulklasse, die Hindenburgschnitt trug; er hatte uns unbekannte Hosen an, die er Knickerbockers nannte.

Schon damals war er das, was man heute einen Trendsetter nennt, denn bald wurden unsere Haare länger und die Knickerbockers Mode in der Klasse.” Zeit seines Lebens war Ferry Porsche für seinen feinen und ausgesuchten Geschmack genauso bekannt, wie für seine Stetigkeit und Beständigkeit bei menschlichen Beziehungen. Mit Manfred Behr, einem Spross der Kühlerdynastie Behr, verband Ferry Porsche ebenfalls eine lebenslange Freundschaft, die bis in die Zeit eines gemeinsamen Praktikums zurück reicht. Genauso prägend wie die neue Schule sollte für Ferry Porsche auch das im Dezember 1923 bezogene, neue Domizil der Familie werden. Die vom bekannten Architekten Paul Bonatz im Stuttgarter Norden erbaute Villa Porsche wurde zum Stammsitz der Familie und – neben dem Schüttgut im österreichischen Zell am See – zu einem Zentrum im Leben von Ferry Porsche, in dem Automobilgeschichte geschrieben werden sollte.

Wie schon zuvor in Wiener Neustadt ließ Ferdinand Porsche seinen Sohn auch in Stuttgart an seiner Arbeit teilhaben. Dank einer Sondergenehmigung erhielt Ferry Porsche mit nur 16 Jahren einen Kraftfahrzeugführerschein und durfte fortan alle Prototypen fahren, die sein Vater aus dem Daimler-Werk in Untertürkheim mit nach Hause brachte. Auch auf längeren Fahrerprobungen im Schwarzwald begleitete er den Vater und beeindruckte Passanten am Steuer der mächtigen Mercedes-Kompressormodelle. Mit 18 Jahren legte Ferry Porsche die reguläre Führerscheinprüfung ab und bekam ein eigenes Motorrad, eine 500er BMW. Allerdings verblasste der Reiz des Zweirades schnell neben einer anderen Erfahrung, die ein Leben lang anhalten sollte: Im September 1927 verliebte er sich in die Stuttgarterin Dorothea Reitz, die er 1935 heiratete und mit der er bis zu ihrem Tod im Jahr 1985 glücklich zusammen lebte.

Sie wurden Eltern der vier Söhne Ferdinand Alexander (* 1935), Gerhard (* 1938), Hans-Peter (* 1940) und Wolfgang (* 1943), die als Gesellschafter der heutigen Dr. Ing. h.c. F. Porsche AG das Lebenswerk von Ferry Porsche weiterführen.
Nach dem Abschluss der Mittleren Reife stand für Ferry Porsche fest, dass er als Automobil- konstrukteur in die Fußstapfen seines Vaters treten wollte: “Je mehr ich das Leben verstehen lernte, desto mehr bewunderte ich das leuchtende Beispiel, das mir mein Vater gab.” Nach einem einjährigen Praktikum bei der Robert Bosch AG folgte er seinem Vater nach Österreich, nachdem dieser die Daimler-Benz AG verlassen und Anfang 1929 einen Posten als Chefkonstrukteur der Steyr-Werke AG angenommen hatte.

Zur Vorbereitung eines technischen Studiums besuchte Ferry Porsche in Wien eine Privatschule, doch verbrachte er bald mehr Zeit in den Konstruktionsbüros und Werkstätten des Vaters, als auf der Schulbank. Als Ferdinand Porsche 1930 die Steyr-Werke wieder verließ, um sich als freier Konstrukteur selbstständig zu machen, stand für den Sohn fest, dass er anstatt eines Studiums eine praktische Ausbildung an der Seite des Vaters absolvieren wollte.

weiter (1931-1937)